
Heute sprechen wir über ein Thema, dass ausserhalb der IT weniger bekannt ist: Redundanz. Wer Auto fährt, der hat in der Regel ein Reserverad dabei. Selbst wenn alle Reifen regelmässig vom Fachmann geprüft werden, das Reserverad ist eine Versicherung für ungeplante Ausfälle.

In einem normalen PC zu Hause gibt es relativ wenig Redundanz. Die meisten Komponenten sind einmalig vorhanden. Nur Enthusiasten kaufen sich mehr als eine interne Festplatte oder einen PC mit mehreren Prozessoren. Warum? Es macht den PC teurer.
Redundanz kann aktiv sein oder passiv. Im Beispiel mit dem Reserverad müssen wir mit dem Wagenheber den Wagen aufbocken und das Rad austauschen. Nicht so bei modernen IT Systemen. Zwar gibt es diese Möglichkeit auch aber oft sehen wir auch eine aktive Komponente. Server haven zwei Netzteile und sind doppelt am Strom angeschlossen. Mehrere Netzwerkkarten bedienen das gleiche System.
Dieses Konzept ist genial einfach wobei man es immer zu Ende denken muss. Es bringt wenig zwei Netzwerkkarten am gleichen Switch anzuschliessen oder zwei Netzteile an die gleiche Stromschiene.

Grundsätzlich ist es gutes Konzept, dass sich auch bewährt hat aber es hat einen Nachteil: Es macht die Systeme teurer und aufwendiger. Allerdings sind ja die meisten Server heute virtuell und dann muss nur die darunter liegende Host Hardware (ob es nun Hyper-V ist oder VMWARE) so ausgebaut werden, dafür darf dort dann aber geklotzt werden.
Heisst also Redundanz einfach alles doppelt oder dreifach kaufen? Sehr vereinfacht gesehen ja. Wobei man immer eine Planungsphase hat und dabei schaut wie weit diese Redundanz gehen muss. In einem kleinen Betrieb könnte es sich zum Beispiel lohnen einfach einen zweiten Server im Schrank zu haben statt eine gewaltige Redundanz aufzubauen. Doch wovon ist die Planung denn konkret abhängig?
Es gibt einige technische Begriffe, die gar nicht so technisch sind. Als ITler müssen wir natürlich komplizierte Abkürzungen haben und die sollten am besten Englisch sein. 🙂

- RPO – Recovery Point Objective
- Der Server stürzt ab und ist nicht mehr zu retten. Eine Sicherung mache ich nur am Abend und habe heute noch den ganzen Tag die Jahresbuchhaltung gemacht. Leider kann ich nur die Daten von der Sicherung vom Vorabend zurückholen. Alles vom heutigen Tag ist verloren. Hier geht es also um die Frage wieviele Daten ich bei Ausfall maximal bereit bin zu verlieren
- RTO – Recovery Time Objective
- Ich mache zwar viele Sicherungen auf Band aber ich stelle fest, dass eine Rücksicherung mehrere Stunden braucht. Während dieser Zeit können die Mitarbeiter nicht arbeiten. Wie lange bin ich bereit zu warten bis meine Daten wieder hergestellt sind?
- SLA
- Diese Abkürzung ist oft am bekannstesten weil hier geht es um Verträge. Was heisst es zum Beispiel wenn ein Cloud Anbieter sagt, seine Dienstleistung sei 99.9% verfügbar? Rechnet er hier die Wartungsfenster mit ein oder gilt das nur für ungeplante Ausfälle? Generell gilt, je höher der SLA Wert desto teurer. Auch spricht der Cloud Anbieter nur über seinen Service. Wenn die Internet-Leitung ausfällt ist der Dienst aber trotzdem nicht erreichbar. Verwende den Uptime Calculator um zu schauen was die Stelle hinter dem Komma bedeutet.

Was ist jetzt hier wichtig? Diese Zahlen sollte man nicht der IT überlassen, sie sind betrieblich wichtige Kennzahlen. Wenn sie nicht festgelegt werden kann es sein, dass teure Maximal-Lösungen eingesetzt werden oder umgekehrt, dass im Notfall dann jeder mit dem Finger auf den anderen zeigt. Gerade bei Cloud-Lösungen wo alles ‚kostenlos‘ ist lohnt es sich die Werte zu hinterfragen. Und unbedingt bei der Planung den ganzen Weg vom PC des Nutzers bis zum Dienst einbeziehen (End-to-End).
Im nächsten Artikel werfen wir einen Blick hinter die Kulissen von grossen Cloud-Anbietern (Microsoft, Amazon…) und schauen wie dort Redundanz gehandhabt wird, so dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.
Mich würden wie immer auch die Gedanken der Blog-Lesenden interessieren. Was für unerwartete Ausfälle habt ihr schon erlebt? Stellt eure Fragen über den Vorschlaghammer und der Coach stellt das Thema in einer der nächsten Beiträge gerne vor.
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