Stelle dir folgende Situation bei einem IT Job Interview vor:
- Interviewer HR: Sie haben also zwei Abschlüsse in Psychologie und Finanzen… Das ist sehr beeindruckend.
- Kandidat: Danke! Der Finanzabschluss ist übrgens von Harvard!
- Interviewer IT: Wie würden Sie bei einer Cisco Firewall einen Port öffnen?
- Kandidat: Ich trinke grundsätzlich keinen Alkohol.
Ok, das ist etwas übertrieben aber grundsätzlich sind höhere Fachabschlüsse bei IT Jobs nicht ein Hauptkriterium. Firmen suchen Mitarbeitende, die einen Mehrwert bringen und nicht zuerst monatelang ausgebildet werden müssen. Dabei wird einerseits der Lebenslauf und die bisherige Erfahrung angeschaut aber wie soll man als Neueinsteiger Fachwissen beweisen? Wie soll jemand der langjährige Berufserfahrung hat aufzeigen, dass er sich weitergebildet hat?

Eine Antwort ist sicher: Hersteller-Zertifizierung
Hätte der Kandidat eine CCNA (Cisco) Zertifizierung gemacht, wäre die Frage leicht zu beanworten gewesen. Ich möchte nun nicht über die Qualität und Art der Hersteller-Zertifizierung im Allgemeinen sprechen. Man kann diese gut oder schlecht finden aber schlussendlich bestimmt immer der Markt was gefragt ist. Das wirklich spannende an den Zertifizierungen der grossen Hersteller (Microsoft, Oracle, Cisco, Amazon…): Sie haben weltweit Bestand und es entsteht ein ‚Level Playing Field‘. Man kann das fast überall auf der Welt machen und der Inhalt und die Form ist immer gleich. So wie ein Big Mac nach bestimmten Kriterien hergestellt wird, so weicht auch die Zertifizierung nicht von der Formel ab. Evtl. auch weil viele Technikfirmen eben aus den USA kommen? Egal. So wie das gelbe M den Laden immer voll hat, so wird die Hersteller-Zertifizierung immer wichtig sein im IT Umfeld. Aber wo fängt man an und wie kommt man zum Ziel?

Hier sind meine 10 Tipps zur Hersteller-Zertifizierung
- Tipp 1: Nicht ins Blaue hinaus lernen
Es macht keinen Sinn etwas zu lernen, was man nicht aktiv brauchen kann. Nur was einen Alltagsbezug hat, bleibt auch hängen. Also nicht für SQL lernen wenn man mit Exchange arbeitet. Welche Zertifizierung hat einen Bezug zur aktuellen Tätigkeit?
- Microsoft hat seine Zertifizierung auf Rollen statt Produkte umgestellt.
- Tipp 2: Es muss nicht immer ein Kurs sein
Zertifizierungen können teuer sein, müssen aber nicht. Wer für alles einen 5-tägigen Trainerkurs besucht wird sehr lange brauchen um sein Ziel zu erreichen. Darum lieber punktuell Kurse besuchen wenn man es wirklich nicht versteht und sonst ergänzend Bücher lesen etc. Wenn Kurs, dann kann es auch mal ein online Kurs sein oder es gibt oft eine 2-tägige Kompaktversion statt einem 5-Tage Seminar.
- Digicomp bietet in der Schweiz sehr gute IT Kurse an in vielen Städten
- Pluralsight ist einer von vielen guten Online Kurs Anbietern
- Tipp 3: Roadmap beachten
Die Roadmaps der Zertifizierungen sind wichtig, weil die Hersteller doch immer mal wieder gerne neue Lernpfade aufschalten. Wenn dort steht, dass eine Zertifizierung bald ersetzt wird, dann besser warten und nicht weiterlernen. Manchmal kann man auch höhere Zertifizierungen erreichen wenn wann bestimmte Produkt-Zertifizierungen kombiniert.
Hier findest du die aktuelle Microsoft Roadmap
- Tipp 4: Literatur beachten
Es gibt neben der offiziellen Kursbücher sehr viel Online Material und viele Bücher zu bestimmten Themen, die gerade populär sind. Manchmal gibt es aber auch sehr wenige Bücher oder gar keine, wenn der Bedarf (noch) nicht da ist. Was ist neben den offiziellen Lern-Inhalten an Informationen vorhanden? Wer seine Zeit nicht gerne mit Pionierarbeit und Dokumentensuche verbringt, nimmt lieber ein Thema, dass bereits einen grösseren Nutzerkreis interessiert. Tipp: Immer nach der Prüfungsnummer suchen.
- Ein Beispiel für ein ofizielles Teams-Prüfungsbuch bei Amazon
- Tipp 5: Vorbereiten
Am Schluss einer Zertifizierung steht immer eine Prüfung. Diese Prüfungen können oft wiederholt werden aber das macht keinen Spass. Ziel sollte immer sein, beim ersten Mal zu bestehen. Und das geht nur mit guter Vorbereitung. Es gibt Testprüfungen von renommierten Anbietern, die einem helfen die Zertifizierungsanforderungen besser zu verstehen. Erst wenn man das Gefühl hat vorbereitet zu sein, sollte man sich für die richtige Prüfung anmelden.
- MeasureUp bietet Vorbereitungskurse für viele Microsoft Tests an

- Tipp 6: Zeitplan machen
Nicht alles was man lernt ist super-spannend. Es liegt in der Natur der Sache, dass auch obskures Wissen abgefragt wird. Das kennen wir ja aus der Schule…. Ohne Zeitplan kann das dazu führen, dass man das Lernen vor sich her schiebt und nicht fertig wird. Gib dir selbst eine Deadline bis wann du bereit sein willst und überprüfe deinen Fortschritt.
- Nutze eine Todo oder Planner App
- Tipp 7: Bleib dran
Du hast es geschafft, die Hersteller-Zertifizierung gehört dir und du hast die Prüfung bestanden. Sofort am nächsten Tag solltest du dir überlegen was als nächstes auf dem Programm steht. Du musst nicht sofort beginnen, es ist ok sich Pausen zu gönnen nach einem Erfolg aber du solltest schon eine Strategie haben wie es weitergeht.
- Sofort nach der Prüfung nochmal die Roadmap anschauen
- Tipp 8: Nicht auf Lorbeeren ausruhen
Zertifizierungen sind harte Arbeit aber es gibt eine Kehrseite. Sie haben meistens ein Ablaufdatum. Entweder braucht es auf Grund der Vorstellungen des Herstellers eine Rezertifizierung oder was noch schlimmer ist, dass Produkt ist gar nicht mehr relevant. Eine Novell Netware Zertifizierung galt früher als Gold Standard und heute wissen gar nicht mehr alle IT Leute was Novell für Produkte hergestellt hat. Den Markt in Auge behalten und evtl. auf mehrere Pferde setzen.
- Die Geschichte von Novell findest du hier
- Tipp 9: Keine Abkürzungen nehmen
Verlockend ist es, sich aus dem Graubereich des Internets sogenannte ‚Fragenkataloge‘ aus vermeintlich echten Prüfungen herunterzuladen und die Antworten auswendig zu lernen. Eine Qualitätskontrolle exisitiert nicht und sowohl Fragen als auch Antworten können falsch oder frei erfunden sein. Ausserdem wird der Fragenpool immer wieder geändert. Und mit auswendig lernen bleibt sowieso nichts hängen und man diskreditiert die ganze Hersteller Zertifizierung wenn der Eindruck entsteht man könnte diese einfach so bekommen.
- Tipp 10: Kostenlose Ressourcen nutzen
Man muss heute nicht mehr ein umfangreiches und teures Testnetzwerk aufbauen um eine Demo Umgebung nutzen zu können. Zum Beispiel kann man sich einen M365 oder Azure Test Tenant anlegen und alle Optionen im Detail probieren. Gleichzeitig bietet Microsoft eine umfangreiche Dokumentation und Ressourcen zum Lernen an. Also: Bevor du viel Geld ausgibst, schaue doch mal ob das gleiche nicht vom Hersteller schon kostenlos verfügbar ist.
Auf jeden Fall ein sehr spannendes Thema und wir von ClickCoach bleiben dran.
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