
Technik sollte in erstere Line dazu da sein, den Alltag der Menschen zu verbessern und zu vereinfachen. Immer mehr wird Technik aber zur Kontrolle und Ueberwachung eingesetzt.

Technik verändert die Welt immer auf die eine oder andere Weise. Teils bewusst und teils unbewusst. Unbewusst für die, die mit der Technik aufgewachsen sind und sich keine Welt ohne bestimmte Errungenschaften vorstellen können. Bewusst für diejenigen, die noch die „gute alte Zeit“ (oder wie immer man das nennen will) erlebt haben. Wir kennen das auch aus Filmklassikern wie „Back to the Future“ (1985) oder „Hot Tub Timemachine“ (2010) die das Prinzip in die Extreme treiben. Wenn sich Michael J. Fox eine „Pepsi ohne“ bestellt, weiss niemand aus den 50ern was das ist. Wenn die Zeitreisenden in „Hot Tub“ sich Online verabreden wollen treffen sie nur auf fragende Gesichter…. Im neu verfilmten „Catweazle“ (2021) macht ein Zauberer aus dem Mittelalter den ElekTrick und es ist bizarr und darum auch witzig. Wie haben die Menschen überhaupt ohne Strom gelebt? Unvorstellbar!

Dabei muss man gar nicht so weit zurückgehen um Kulturwandel durch Technik zu verstehen. Stellen wir uns vor, Corona wäre ca. 1980 ausgebrochen. Eine Diskussion über digitale Zertifikate auf dem Handy hätte sich erübrigt weil nicht realisierbar. Die aktuellen Ansteckungszahlen wären zudem nicht täglich veröffentlicht worden, da Computer und Handys damals noch nicht so allgegenwärtig waren. Um zu verstehen was das bedeutet, schauen wir uns die Tschernobyl- Reaktorkatastrophe an. Es gelang der UdSSR anfänglich das ganze unter dem Deckel zu halten, solange bis der Wind die Radioaktivität in den Westen trug. Oder wenn Krieg im Irak ausbricht verfolgt man das heute nicht mehr auf CNN sondern auf Instragram etc. in Echtzeit. Bilder aus Afghanistan errreichen uns jetzt ohne Zeitverzögerung.
Wenn nun vielleicht auch bald in der Schweiz digitale Zertifikate für Restaurantbesuche eingeführt werden, tönt das vielleicht auf den ersten Blick sehr vernünftig. Die Technik ist da, warum nicht? Wer könnte schon gegen das Allgemeingut „Gesundheit“ sein. Früher hätte man das jetzt einfach in sein Imfbüchlein eingetragen aber hier kommt sofort das Argument der Kontrolle von Fälschungen etc. Man wünscht sich diese absolute Sicherheit, dass nicht etwa jemand durch die Maschen schlüpft.

Früher wurde in der Schweiz noch über „Fichen“ diskutiert (siehe auch der geniale Film „Moskau einfach„), das waren noch ganz klassische Papier-Dossiers in denen die Aktivitäten von nicht genehmen Politikern überwacht und aufgeschrieben wurden aus Furcht vor einer vermeintlichen Unterwanderung durch Moskau. Im modernene China geht das heute schon einen Riesen-Schritt weiter, denn wenn die Polizei ein Bild hat von einem „Verdächtigen“ dann kann er über allgegengewärtige Kameras jederzeit gefunden werden dank den Forschritten bei der Gesichtserkennungs-Software. Zudem gibt es eine Punkteskala auf denen soziales Verhalten registriert wird. Wer auf der sozialen Punkteskala zu weit nach unten rutscht, der bekommt Probleme überall.
Nun kann man dies gut oder schlecht finden. Im Westen wird zum Beispiel Videoüberwachung teilweise recht kritisch gesehen obwohl man damit nachweislich Vandalismus verhindern kann. Die soziale Punkteskala braucht es bei uns auch nicht aber wehe dem der etwas unüberlegtes auf Social Media postet. Wir stellen uns jetzt aber kurz vor, die technischen Möglichkeiten von heute wären schon vor 20 Jahren da gewesen. Hätte die DDR sich so schnell und kampflos aufgelöst wenn ihr ein digital hochgerüsteter Ueberwachungsstaat zur Verfügung gestanden hätte?

Ich bin übrigens kein Technik-Skeptiker, im Gegenteil. Man stellt aber fest wie selektiv die Wahrnehmung ist. Als Hundebesitzer braucht mein Vierbeiner für Reisen einen EU Pass. Dieser ist völlig analog und etwa so fälschungssicher wie ein Küchensieb wasserdicht ist. Warum dann aber an anderer Stelle diese enorme Technik-Gläubigkeit? Mal was zum Nachdenken.
Der Titel des Beitrages kommt von der Metapher über den Frosch, der zuerst im kalten und dann immer wärmer werdenden Wasser sitzt und zu spät erkennt, dass er nicht mehr aus eigener Kraft den Kochtopf verlassen kann. Wenn wir technische Lösungen bejubeln, die uns im Alltag einschränken dann verhalten wir uns ähnlich wie dieser Frosch.
