
In der englischen Sprache gibt es das spannende Wort ‚Convenience‘. Das ist wie so viele englische Wörter inhaltlich nicht so leicht übersetzbar wie es auf den ersten Blick erscheint. In der deutschen Sprache gibt es das Konzept des einfachen und praktischen so eigentlich gar nicht. Zwar wird beim Google Uebersetzer ‚Annehmlichkeit‘ oder auch ‚Bequemlichkeit‘ als mögliche Alternative angeboten aber das trifft es nicht einmal im Ansatz. ‚Convenience Food‘ ist zum Beispiel Essen das schnell und ohne grossen Aufwand zubereitet werden kan. Meine These: In unserer schnelllebigen Zeit setzt sich Convenience durch und verändert die Art wie wir leben. Dinge die einfach sind haben Erfolg, Dinge die kompliziert sind gehen unter. Der Apple IPod hatte Erfolg aber der Microsoft Zune (wer erinnert sich noch daran?) nicht. Eine geniale Idee genügt einfach nicht wenn sie schwerfällig daher kommt. Gutes Marketing kann die Leute nicht dazu bringen sich für ein kompliziertes Konzept zu begeistern. Technologie ohne Mehrwert für den Benutzer landet früher oder später auf dem Misthaufen der Geschichte.

Heute gibt es den Trend Dinge per Gesetz zu forcieren und dann zu glauben, dass die Entwicklung dann schon irgendwie von selber geschieht. So gibt es europäische Länder, die bereits ab 2030 ein Verbot für Benzin-Fahrzeuge erlassen haben ohne zu wissen ob die Technik bis dahin schon genügend Fortschritte gemacht hat um diese vollständig zu ersetzen. Der bessere Weg ist die Kraft der Innovation wirken zu lassen. Wenn das elektrische Auto ein Bedürfnis erfüllt oder eine Verbesserung bringt, dann werden es die Leute automatisch kaufen und zwar ohne, dass spezielle Gesetze und Verbote notwendig sind. Düsenjets traten den Siegeszug an während Heissluft-Ballone erlaubt blieben. Man musste die Pferdekutsche nicht verbieten um dem Auto den Durchbruch zu ermöglichen. Diese Erfindungen haben sich durchgesetzt weil sie technisch weit überlegen waren und ein Bedürfnis erfüllten. Erfüllt das elektrische Auto ein Bedürfnis? Vielleicht. Ist es dem Benziner weit überlegen? Eher nicht. Und der ‚Convenience‘ Aspekt wird schon gar nicht erfüllt. Es gibt verschiedene Ladesysteme, die zueinander nicht kompatibel sind. Es gibt kein flächendeckendes Netz der Ladestationen. Die Reichweite der E-Autos lässt noch zu wünschen übrig. Und das Laden dauert immer noch viel zu lange im Vergleich zu einem Benziner. Ich bin übrigens überhaupt kein Experte für dieses Thema und nutze es nur als Beispiel. Convenience‘ ist der Treiber für Entwicklungen und Dinge „passieren“ nicht einfach, nur weil wir sie uns per Gesetz wünschen.

Um die These zu untermauern, hier ein paar weitere Beispiele von praktischen Erfindungen, die die Welt verändert haben oder noch verändern werden. Die Liste ist nicht vollständig und es würde mich freuen wenn ihr selber noch einige Ideen über die Kommentarfunktion beifügt:
- Mit ‚Spotify‘ kann ich für den Preis einer CD pro Monat fast jede Musik der Welt hören und Zusatzfunktionen nutzen, die es mir erlaubt neue Lieder zu entdecken
- Mit ‚Twint‘ kann ich (leider nur in der Schweiz) einem Kollegen innert Sekunden Geld senden. Die Ausrede ‚ich hab kein Portemonnaie‘ dabei ist damit ein Ding der Vergangenheit.
- Dank ‚Netflix‘ ‚Sky‘ ‚Amazon‘ und Co. kann ich dann die Sendungen schauen, die mir gefallen und brauche das altbackene Fernsehen mit seiner Unterbrecherwerbung nicht mehr.
- Rasenmäher und Staubsauger-Roboter erleichtern die Hausarbeit und lassen uns mehr Zeit für andere Dinge.

Natürlich gibt es immer dann wenn die Menschen ihre Gewohnheiten ändern nicht nur Gewinner sondern auch Verlierer. Die Fernsehsender sehen ihre Felle davon schwimmen weil ihnen die Zuschauer davon rennen. Die CD Verkäufe sind eingebrochen und auch die Käufe von einzelnen Musikstücken z.B. bei ITunes sind unterdessen nicht mehr interessant obwohl das selber einmal eine Innovation war! Auch der Gärtner muss vielleicht nicht mehr so oft kommen weil ein Rasenmäher-Roboter öfter und genauer mähen kann.
Von den genannten Beispielen finde ich Twint besonders spannend. Auich wenn es momentan vor allem eine Schweizer Lösung ist (so genial wie Ricola?), so hat es mich überzeugt weil es eben den ‚Convenience‘ Aspekt erfüllt. Jeder kann auf ganz einfache und unkomplizierte Art Geld an Kollegen überweisen. Alles was es braucht ist ein Mobiltelefon, ein Schweizer Bankkonto (Ja, die gibt’s immer noch…) und die Telefonnummer des Empfängers. War ich anfangs etwas skeptisch ob es wirklich nochmal eine neue Zahlmethode braucht bin ich nun auf Grund der Erfahrungen in meinen Umfeld zum Twint Fan geworden. Es ist zwar heute alles andere als sicher ob Twint nicht einst durch eine internationale Lösung vom Markt verdrängt wird aber es wäre auf jeden fall sehr schade. Hoffen wir, dass Twint seine ‚Convenience‘ auch in anderen Ländern etablieren kann. Ich bleibe auf jeden Fall für euch dran.